Fenster und Identität

Fenster und die Identität von Bewohnern und Gebäuden

Am Anfang meines Kulturanthropologiestudiums, 1978 in Frankfurt/Main waren Heimat und lokale Identität Themen, die viele Menschen betrafen.

Prof. Ina-Maria Greverus hatte ein Raumorientierungsmodell entwickelt, wo sie schrieb, dass der Einzelne in vier Bereichen die Möglichkeit von aktiver Aneignung seines Raumes erfahren müsse, um sich identisch und lokal verankert zu fühlen, lokale Identität erlangen könne.
Das seien die Bereiche
Instrumentell – auch Einkommen und Arbeit betreffend
kontrollierend – auch politisch und den Zugang und die Macht über Räume betreffend
soziokulturell – auch kulturelle Aktivitäten und Kontakte betreffend
symbolisch – auch den visuellen Ausdruck betreffend.

Ihr Identitätsbegriff – also der der Gruppenidentität – lautet in etwa, so, dass der einzelne Mensch sich
als … selbst sieht, als … von anderen gesehen wird und nicht zuletzt als … von anderen anerkannt wird.
Da gibt es Selbstbilder und Fremdbilder.

Der Begriff der Identität wird heute intensiver diskutiert als eh und je. Möglicherweise, weil lokale Gemeinschaften, die wie selbstverständlich und unhinterfragt die Identität von Menschen entschieden haben, sich in modernen, mobilen Gesellschaften immer mehr auflösen.

Der deutsche Soziologe Andreas Reckwitz (..,) spricht heute von

1. einer Hyperkultur, wo sich verschiedene Individuen Teile von verschiedenen Kulturen aneignen, um ihre eigene Identität individuell zu erkennen und zu beschreiben,

  1. der Bildung von moralische motivierten Identitätsgemeinschaften, wo sich der Einzelne auf Gruppen bezieht.
    Hier werden Gruppen von Menschen als homogene Gemeinschaften gedacht. Sie entstehen als ”imaginäre Gemeinschaften.Reckwitz diskutiert, ob die Gesellschaft in unserer Zeit immer mehr auseinanderfällt, weil verschiedene Gemeinschaften sehr starke Gefühle zu ihrer eigenen Identität haben, die sich aber von der Identität ihrer Nachbarn unterscheidet, woraufhin sie sich bekämpfen und bekriegen.Solche „Kriege“ haben sicher oft zwischen den Jugendlichen verschiedener Nachbarjungen stattgefunden. Das neue mag sein, dass die Gruppen sich nicht mehr lokal bilden, sondern quer durch verschieden lokale Räume sowie virtuell

[Bizarr ist der Streit zwischen klassischen Feministinnen und Queerfeministinnen, die sich gegenseitig Hass, Menschenfeindlichkeit und „mysogyni“ nachsagen, wo die einen den Körper bei der Definition von „Geschlecht“ hervorheben und das Stereotyp, wie man „Geschlecht“ auslebt und gestaltet „Gender“ nennen, die anderen behaupten der Körper spiele keinerlei Rolle bei der Feststellung des Geschlechts, Geschlecht sei ein Gefühl, das jeder Mensch in sich findet. Hier ist Geschlecht und Gender sozusagen das gleiche. Auch wenn manche Transpersonen, dann ausgerechnet doch anstreben, den Körper zu transitieren in einer Weise, die dem anderen Geschlecht entspricht.
Queerfeministen unterstreichen die Freiheit der Frauen zu Sexarbeit und Leihmutterschaft. Feministinnen verurteilen die Männer, die sich den Körper von oft armen und notleidenden Frauen gegen Geld kaufen.]

[Aber das nur als Stimmungsbild, in welcher Zeit ich mich 40 Jahre nach meinem Studium wiederfinde. ]

Ich habe auch Kunstgeschichte, Architekturgeschichte und Denkmalpflege studiert. Bei Landeskonservator prof. Gottfried Kiesow.
Von der Kritik an der Architektur der 60er Jahre (Mitscherlich: Die Unwirtlichkeit unserer Städte) aufgeschreckt, wollte ich fragen, wie denn ein „schönes“ Haus aussehen müsse, mit dem sich die Bewohner der Stadt und von Gebäuden „identisch“ fühlen.

Ich habe meine Abschlussarbeit über Fenster – Fenster als Bedeutungsrahmen und Einstellungsort – (genauer) geschrieben und bin zu der Überzeugung gelangt, dass es Fenster sind, die einem Gebäude ihre Identität geben. Auf jeden Fall Wohngebäuden. Aber oft auch öffentlichen Gebäude.

Fenster geben Licht, in Bürogebäuden kaum noch Luft, in Wohnhäusern leben Menschen mit, hinter und an Fenstern.

Hier fängt es an

Es sind Fenster, die aus einem Schuppen, aus einer Höhle, aus einer Skulptur ein Wohnhaus machen.

Wohnhäuser ohne Fenster werden als armselig empfunden, als Erdlöcher, in denen man haust. Sie können einen gewissen Charme haben wie die historischen Bauernhäuser auf Island, aber selbst in diesen Häusern, die ganz von Erde überzogen sind, gibt es in der Front nicht nur eine Tür, sondern auch Fenster. (Nupsstadur).

Historische Fenster im isländischem Nubsstadur
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Historische Häuser im isländischen Nubsstadur